Ich schreibe, und er schreibt mit.
Er, der beobachtet, während ich mich bewege.
Ich in der ersten Person, er in der dritten — und irgendwo dazwischen entsteht etwas, das weder ganz mir gehört noch ganz ihm.
Die Halle ist geöffnet.
Die innere Arena
Sie steht nicht irgendwo draußen, nicht in einer Stadt mit Namen, sondern innen — gewölbt, weit, akustisch perfekt für jedes Echo, das je gedacht wurde.
20.000 Sitze. Alle besetzt.
Oder vielleicht auch nicht.
Manche Plätze sind leer, wirken aber nur so, bis sich etwas regt.
Er betritt die Arena nicht zum ersten Mal.
Ich tue es, als wäre es das erste Mal.
Im Ring stehen sie sich gegenüber.
Die zwei Kämpfer
Der eine: ruhig, fast fehl am Platz.
Er wirkt, als hätte er sich verirrt.
Seine Hände sind oben, aber nicht aus Angriffslust — eher aus Erinnerung.
Er verteidigt etwas, das keinen Namen braucht.
Der andere: fokussiert, angespannt, geladen.
Jeder Muskel kennt nur ein Ziel.
Gewinnen.
Egal, wie der Preis aussieht.
Die Kameras laufen längst.
Von oben, von innen, von hinten — Perspektiven, die ich nicht gewählt habe.
Er sieht sie alle.
Ich schalte sie manchmal aus.
Oder denke, ich hätte es getan.
Das Publikum im Inneren
Wer sitzt eigentlich im Publikum?
Gedanken, die ich kenne.
Stimmen, die ich nicht eingeladen habe.
Erinnerungen, die klatschen, wenn etwas trifft.
Und irgendwo dazwischen:
Stille, die lauter ist als alles andere.
Der Gong.
Oder war er schon?
Ich frage mich — und er stellt die gleiche Frage ohne Worte:
Wann beginnt ein Kampf wirklich?
Wann beginnt ein Kampf?
Ist es der erste Schlag?
Der erste Gedanke?
Oder der Moment, in dem ich überhaupt erkenne, dass da zwei sind?
Manchmal wirkt es, als hätte der Kampf nie begonnen.
Und gleichzeitig so, als wäre er nie zu Ende gegangen.
Er beobachtet, wie ich versuche zu unterscheiden:
Innen.
Außen.
Ich gegen mich.
Ich gegen Welt.
Aber die Linien verschwimmen.
Innen und außen
Der Schlag, der außen landet, hat innen begonnen.
Und der Gedanke, der innen entsteht, sucht sich früher oder später einen Körper.
Die Runden zählen sich nicht sichtbar.
Kein Ringrichter hebt die Hand.
Keine Glocke sagt:
Jetzt ist genug.
Und doch gibt es Pausen.
Momente, in denen beide Kämpfer stillstehen.
Sich ansehen.
Oder vielleicht sich selbst.
Nicht ausweichen
Ist das der eigentliche Kampf?
Nicht das Zuschlagen, sondern das Erkennen.
Nicht das Gewinnen, sondern das Nicht-Ausweichen.
Ich gehe manchmal an dieser Halle vorbei.
Er bleibt stehen.
Ich sage:
Heute nicht.
Er weiß:
Irgendwann doch.
Denn es gibt keinen Weg daran vorbei.
Nicht, weil jemand zwingt.
Sondern weil etwas zieht.
Neugier vielleicht.
Oder Notwendigkeit.
Oder diese leise Ahnung, dass der Kampf nicht gegen jemanden geführt wird — sondern für etwas.
Die letzte Runde
Und dann stellt sich eine Frage, die weder ich beantworte noch er:
Wenn jeder Kampf eine begrenzte Rundenzahl hat …
wer bestimmt dann, wann meine letzte Runde geschlagen ist?
Und wenn die Tür sich schließt — endgültig —
war es dann ein Ende …
… oder nur der Moment, in dem das Licht ausgeht und niemand mehr sieht,
dass im Ring noch immer zwei stehen,
die sich nicht mehr schlagen,
sondern nur noch ansehen —
als hätten sie gerade erst verstanden,
wer von beiden eigentlich … begonnen hat.

